2.6.2014

M.R.Carey - The Girl With All the Gifts

The Girl With All the Gifts

The story of Melanie and the people around her is so thoughtfully crafted, so heartfelt, remorseless and painfully human, that it takes the potentially tired trope of the zombie apocalypse and makes it as fresh as it is terrifying. The story spirals towards a conclusion so surprising, so warm and yet so chilling, that it takes a moment to realize it's been earned since the first page, and even before. It left me sighing with envious joy, like I'd been simultaneously offered flowers and beaten at chess. A jewel.

(Joss Whedon, Via)

Wenn Joss Whedon ein Buch derart anpreist, muß ich es natürlich kaufen – und ich bin gerade dabei, es gewissermaßen zu verschlingen.

Dabei ist es zuerst einmal nicht so sehr die Story, die mich auf dem Sofa hält – das ist ein Thriller, der außerordentlich gut geschrieben ist.

Im Zentrum steht der Alltag eines zehnjährigen Mädchens, der alles andere als alltäglich ist, der jedoch aus ihrer Sicht und in ihrer Sprache erzählt wird. M.R.Carey gelingt das Kunststück, die Seele eines Kindes sprachlich so zu transportieren, daß man kaum anders kann, als sich an eine Periode der eigenen Kindheit, der eigenen Unschuld zurückzuerinnern. Die finstere Dystopie, die den Rahmen der Erzählung ausmacht, kann vor solch einem Kontrast kaum harscher wirken.


Melanie beobachtet Mr Whitaker, einen ihrer Lehrer:

Mr Whitaker is having one of those up-and-down days when he brings his bottle into class – the bottle full to the brim with the medicine that makes him first better and then worse. Melanie has watched this strange and mildly disturbing progress enough times that she can predict its course. Mr Whitaker comes into class nervous and irritable, determined to find fault with everything the children say or do. Then he drinks the medicine, and it spreads through him like ink through water (it was Miss Justineau who showed them what that looks like). His body relaxes, losing its tics and twitches. His mind relaxes too, and for a little while he’s gentle and patient with everyone. If he could only stop at that point, it would be wonderful, but he keeps drinking and the miracle is reversed. It’s not that Mr Whitaker gets grumpy again. What he gets is something worse, something quite awful, that Melanie doesn’t have a name for. He seems to sink in on himself in total misery, and at the same time try to shrink away from himself as though there’s something inside him that’s too nasty to touch. Sometimes he cries, and says he’s sorry – not to the children, but to someone else who isn’t really there, and whose name keeps changing.

Es braucht kein Psychogramm von Dr. Caroline Caldwell, um aus wenigen Zeilen schließen zu können, mit wem man es hier zu tun hat (einem Prototyp des „Mad Scientist“):

Caldwell makes a non-committal gesture, purses her lips. She wears lipstick every day, despite its scarcity, and she wears it to good effect; puts up an optimal front to the world. In an age of rust, she comes up stainless steel.

Die beiden Zitate sind keine mühsam zusammengesuchten Perlen, sondern Beispiele für den Ton, der jede Zeile der Erzählung trägt.

7.4.2014

Prospect (Short Film)

Ein kleiner, stiller Film mit schönem Soundtrack und einer Optik, die durchaus eigenständig daher kommt – sehr sehenswert, wie ich finde.

„Prospect” premiered at the 2014 SXSW Film Festival.

7.3.2014

Alfonso Cuarón - Gravity

Gravity

Als ich „Gravity“ zum ersten Mal gesehen habe, war ich nicht sonderlich beeindruckt: das war, auf den ersten Blick, eine eher dünne Story mit vielen visuellen Effekten aus dem Computer. Die Darstellung der Verhältnisse im Outer Space scheint überdramatisiert, bis zu einem Punkt, wo sie komplett unglaubwürdig wirkt. An bestimmten Stellen scheint selbst die Physik um des dramatischen Effekts gebogen. Besonders jener Punkt in der Erzählung, wo sich Matt Kowalsky (George Clooney) für Ryan Stone (Sandra Bullock) opfert, indem er die Verbindung zischen ihnen kappt, ist völlig jenseits dessen, was man noch als üblichen Bruch in der Logik tatsächlicher Verhältnisse zwecks einer guten Erzählung hinzunehmen bereit wäre. – Wie gesagt: ich rede hier vom ersten Eindruck.

Ich habe mein erstes Urteil dann komplett über den Haufen geworfen. Nachdem ich die Blu-Ray seit knapp einer Woche besitze, habe ich den Film viermal gesehen; und damit ist es längst nicht getan.

Ohne ein gewisses Grundwissen um die Hintergründe in der Entstehung des Films kommt man mE. nicht aus. Ich habe die – immerhin gut drei Stunden – in den „Extras“ auf der Disc sehen müssen, um zu verstehen, daß man hier etwas völlig Neues versucht hat. Alfonso Cuarón (und mit ihm eine ganze Armee von Mitarbeitern) hat mehr als vier Jahre gebraucht, um eine eher simple Idee in einen Film zu verwandeln. Wie man dem „Making Of“ entnehmen kann, ist die Darstellung von Schwerelosigkeit ein Unterfangen, mit dem selbst heutige Tricktechnik größte Mühe hat – von den körperlichen Anforderungen an Sandra Bullock ganz zu schweigen, die wochenlang an Drähten hängend von Puppeteers, die die Drähte mit Remotes bedienten, durch die Gegend geflogen wurde.

Das ist aber längst nicht alles, und keineswegs zentral für meine Bewertung des Films. Ich mußte erst lernen, daß die scheinbar grotesk übertriebenen Ereignisse, die das Drama treiben, keinesfalls unrealistisch sind. Der Auslöser für die Story im Film ist eine Attacke von Weltraummüll auf das Spaceshuttle. Das scheint pure Fiktion, ist aber eine reale Gefahr, für die es sogar einen stehenden Begriff gibt (Kessler-Syndrom). Kowalsky sagt beim ersten Blick auf den einfliegenden Schrott: „Half north america just lost their facebook“. Das ist keine Hollywood-Blockbuster-Spinnerei, sondern ein Szenario, mit dem wir in naher Zukunft durchaus konfrontiert sein könnten.

Ich könnte länger so weiter machen, und meinen ersten Eindruck von augenscheinlichen Unstimmigkeiten immer mehr relativieren. Besonders die zentrale Stelle – als Kowalsky die Verbindung zu Stone kappt, um in den sicheren Tod zu treiben – hat mich zunächst ja geradezu wütend gemacht: die Protagonisten scheinen in der Schwerelosigkeit zur Ruhe gekommen, und es bräuchte nur eines minimalen Rucks, um beide in Richtung ISS zu treiben. Wenn man die Szene genauer ansieht, ist dies aber nicht der Fall: Ryan und Matt sind definitiv noch in der Bewegung. Ohne das Kappen der Leine wären beide verloren.

Was mich jedoch letzten Endes zu einem bedingungslosen Fan des Films macht, ist der Soundtrack. M.E. ist dies die beste „Vertonung“ eines Films, die es je gegeben hat (die AMPAS teilt da offenkundig meine Meinung; ich komme auf das Thema zurück).

24.12.2013

Buffy - Strong Women on TV

(Buffy-Zettelkasten)

[…]

What's astonishing even now is to look at the cast line-up of Buffy the Vampire Slayer. Not just Buffy herself, but also best friend Willow the witch, Willow's girlfriend Tara, nemesis-come-wary-ally Cordelia, ex-demon Anya, mother-in-a-trying-situation Joyce and latterly, the mystically-created sister Dawn.

So often now, a "strong woman" in a TV show or a movie will be almost entirely isolated from other women - from Katniss Everdene trying to survive the Hunger Games to Sandra Bullock's character in Gravity, from Carrie Mathison in Homeland to Daenerys Targaryan in Game of Thrones - female friendship, let alone having conversations with several women, seems utterly impossible for many of today's female characters.

When I raised this question with show creator - and now Hollywood director - Joss Whedon, he agreed perhaps the wrong lessons had been learned from Buffy's success.

"The romance and the supernatural and the lure of the vampire… all seemed to go over pretty well," he said.

"The self-actualised female who was in charge of things didn't land quite as solidly…. I, too, have been somewhat disappointed… it feels almost like a backlash - we want to inoculate ourselves against this by giving you everything [Buffy] had without the feminism."

[…]

Naomi Alderman in den BBC-News (Hervorhebung von mir).

21.10.2013

„Beyond: Two Souls” - Versuch einer Einordnung

Beyond: Two Souls

Zunächst: „Beyond“ ist (letztlich) kein Computerspiel. Man muß keine Rätsel lösen, keine größere Geschicklichkeit im Umgang mit dem Joystick lernen, und ist eher selten mit einer Situation konfrontiert, aus der es (spieltechnisch) keinen Ausweg gibt. Der Avatar, den der Spieler lenkt, kann zB. an keiner Stelle „sterben“.

Das ist eher ein Film - eine Erzählung, der viel daran liegt, daß man sie in einem gewissen Fluß, ununterbrochen, erlebt. Es ist dann aber doch kein Film – man ist nicht nur Betrachter eines vordefinierten Stroms an Ereignissen, sondern muß seinen Avatar so lenken, daß die Story nach und nach Sinn bekommt.

Dabei wird „Beyond“, ein wenig übereuphorisch, als komplett neue Form eines Computerspiels beworben: es gehe darum, Entscheidungen für seinen Avatar im Fluß der Ereignisse zu treffen, die den weiteren Verlauf des Spiels maßgeblich bestimmen.

Das ist – soweit ich das beim Spielen erlebt habe – eine grobe Übertreibung. Es gibt eine klassische Abfolge von „Levels“, die man nur so und nicht anders durchlaufen kann. Die Behauptung von David Cage (Showrunner, Director, und Autor), daß man es mit dreizehn unterschiedliche Versionen des Spiels zu tun habe, gilt wohl nur für die letzten Minuten im „Endgame“[1].

Die Versprechung eines wirklich interaktiven Spiels halten auch hier – einmal mehr – nicht; ansatzweise, wenn es hoch kommt.

Wirklich fasziniert jedoch hat mich die grafische Umsetzung der Figuren. Das ist hier kein Super-Mario (keine animierte Gestalt aus der Grabbelkiste eines Kindergartens), aber auch kein lebloser Verhau an Polygonen, die an menschliche Gestalten allenfalls erinnern. Seit Tomb Raider ist man ganz erheblich weiter.

Vor ein, zwei Dekaden hatte man noch vermutet, daß der Beruf des Schauspielers früher oder später obsolet wird, weil man dessen Gesten in naher Zukunft mit dem Computer simulieren kann. Man ist heute einen Schritt weiter: es braucht (gute) Schauspieler, auf deren Gesichter man Sensoren klebt, die man dann fotografiert und für die lebensechte Animation virtueller Avatare verwendet.

„Beyond“ geht genau diesen Schritt in die Zukunft – und das Ergebnis ist wirklich verblüffend. Es ist zwar schon im ersten Moment klar, daß man es nicht mit abgefilmten, sondern simulierten Gesichtern (Gestalten) zu tun hat. Trotzdem braucht es keinen Text mehr, um die Emotionen aus den Gesichtern der Simulation abzulesen[2].

Was aber wirklich hängen bleibt, ist die Erzählung, die Story. Ich möchte hier keinen Spoiler verbreiten – die Erzählung im Level „Homeless“ (und das ist nur ein Beispiel) ist mE. ein echter Meilenstein, wenn es um die Möglichkeiten geht, mit einem Computerspiel nicht nur Welten zu simulieren, sondern die reale Welt zu deuten.

  1. [1] Wenn man zB., als Spieler, die Entscheidung getroffen hat, daß der Avatar (Jodie) ihr „love interest“ eben nicht liebt, wird man im Endgame trotzdem mit der Frage konfrontiert, ob man lieber allein, oder doch mit dem schon früher zurückgewiesenen potentiellen Lover weitergehen will. - Das ist noch die gröbste Unstimmigkeit; andere Entscheidungen, die man für seinen Avatar trifft, haben überhaupt keine Auswirkungen.
  2. [2] Die PlayStation 4 – sofern das Demo unter den Extras auf dem „Beyond“-Medium kein Fake ist – dürfte hier einen weiteren, großen Schritt in diese Richtung ermöglichen.
17.10.2013

Beyond: Two Souls

Zum ersten Mal seit wohl zehn Jahren habe ich ein Computerspiel gekauft – und habe gerade ein wenig Mühe, den Controller aus der Hand zu legen, um einigermaßen pünktlich schlafen zu gehen.

Später mehr – ich komme wohl nicht darum herum, gerade über dieses Game ausführlicher zu erzählen.

Als Einstieg kann ich ein Interview mit Ellen Page (Jodie) und dem Autor, David Cage, empfehlen:

Q: David, can you describe the game?

David Cage: It’s as much a story as it is a game. As a player, you can switch between Jodie and The Entity that can go through walls, see people’s auras and move objects. But it doesn’t fit in any specific game genre. There aren’t any puzzles to solve. The player just makes choices, and their choices affect the narrative of the game.

Q: How is acting for a game different than the work you’ve done for film?

Ellen Page: There’s no set. No wardrobe. The only reference point I had was what David told me. It’s also not shot remotely in a linear way. Film isn’t either. But this is to an extreme. It’s a 2,000-page script. We’d do 30, 40 pages a day. It’s insane compared to a film. […] This is an incredibly emotional story and journey for this girl. Because it’s a game, you’re also having to record multiple responses for any one scene. So you’re having to make these snap transitions between an incredibly wide range of emotions. […]

(Hero Complex; via Wikipedia.)

11.6.2013

Joss Whedon - William Shakespeare’s Much Ado About Nothing

(Buffy: Zettelkasten)

Amy Acker
Amy Acker

[…]

“Much Ado” was shot cheaply and quickly while the director was occupied with the mighty labor of “The Avengers,” and it is in every way superior to that bloated, busy blockbuster. Also shorter. Do not suppose that this is reflexive literary snobbery or a preposterous apple-and-orange comparison. Shakespeare’s knotty double plot, propelled by friendships, rivalries and a blithe spirit at once romantic and cynical, is a better vehicle for Mr. Whedon’s sensibilities than the glowering revenger’s tale that every superhero movie is forced, these days, to become.

[…]


Selbst der ehrwürdigen New York Times fällt es schwer, die Begeisterung über Joss Whedons Adaption von Shakespeares Komödie zu unterdrücken. Ich bin sehr gespannt auf diesen Film (zumal die Besetzungsliste die Begegnung mit einigen meiner Lieblingsschauspieler aus dem Whedonverse verspricht).

23.3.2013

Girls (HBO TV-Show)

Lena Dunham
Lena Dunham

[…]

Wofür ich ihr [Lena Dunham, Writer, Director, Lead Actor; mm] außerdem stets die Füße küssen möchte: dass sie ihren nicht-hollywoodgerechten Körper gnadenlos einsetzt. Die Folgen, in denen wir mal nicht ihre Brüste sehen, kann man, glaube ich, an einer Hand abzählen. Und wo ich mich sonst gerne über nutzlose Nacktheit aufrege, ging mir das hier ganz anders, weil ich hier einen Körper zu Gesicht bekomme, der nicht den üblichen Barbie-Maßen entspricht.

[…]

Anke Gröners Liebeserklärung an diese TV-Show habe ich nichts hinzuzufügen (ich habe gerade die erste Staffel gesehen und war leicht enttäuscht, als sie nach 10 Folgen mit je 20 Minuten schon zu Ende war).


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