10.1.2019

When You Are Old (William Butler Yeats)

Den Text von William Butler Yeats hatte ich schon eine ganze Weile vor mir, mich aber schwer damit getan, ein Konzept für die Vertonung zu finden. Das Resultat ist ganz knapp (keine vier Minuten lang), harmonisch und formal sehr einfach, in einer eher kleinen „Besetzung”, aber – so hoffe ich zumindest – frei von Klischees. Ich habe nicht versucht, die Aussage des Textes zu verdeutlichen; das Gedicht ist derart stark, daß das nicht nötig ist, oder vielleicht sogar ein Fehler wäre.

Ich will jetzt nicht mit einer ausführlichen Analyse des Textes daherkommen; zwei Anmerkungen kann ich mir aber doch nicht verkneifen:

  • Es heißt: „How many loved .. your beauty“; und: „But one man loved the pilgrim Soul in you“. Ich hatte anfangs den Verdacht, daß sich hier Ironie oder sogar Sarkasmus versteckt. Dafür finden sich im Text aber keinerlei Hinweise; das ist mE. wörtlich zu nehmen.
  • In dem kurzen Text kommt „Love“ bzw. „loved“ sechsmal(!) vor – das ist natürlich kein Fehler eines schlechten Dichters, sondern präzises Kalkül. Das Wort wird leer und bekommt einen hohlen Klang. Yeats braucht keine Metaphern, um sein Thema zu erklären. Er legt seine Aussage in die Substanz seiner Sprache.
  • 14.7.2015

    #ThisIsACoup - dies ist ein Staatsstreich

    Mit einer beispiellosen Machtdemonstration hat Berlin die Regierung Griechenlands gedemütigt, an den Rand des Zusammenbruchs getrieben und Athen seiner Souveränität in zentralen Bereichen staatlichen Handelns beraubt. […] Griechenland wird damit de facto zu einer Art Protektorat nicht demokratisch gewählter Finanzinstitutionen.

    (German Foreign Policy)

    Zu dem Thema ist viel geschrieben worden die letzten Wochen; ich habe es nicht hinbekommen, irgend etwas sinnvolles hinzuzufügen. Es bleibt ein Gefühl ohrenbetäubender, hilfloser Ohnmacht, und nicht einmal dies kann ich angemessen formulieren. Nach dem 15.9.2008 dürfte sich der 13.7.2015 (oder die Wochen darum) in zukünftigen Geschichtsbüchern wiederfinden.

    Zumindest auf das Interview mit Yanis Varoufakis kurz nach dessen Demission (im New Statesman) möchte ich hier hinweisen.

    26.5.2015

    Notiz - Gregor Gysi über Distanz

    Gregor Gysi: Wobei, ich werde Ihnen mal eine Geschichte erzählen, aus der DDR…

    Tilo Jung: Du kannst mich duzen…

    Gregor Gysi: Ja, ich weiß, ich duze dich auch schon. Fast immer. Aber wenn ich aus der DDR erzähle, dann muss ich dich siezen…

    (Krautreporter)

    21.5.2015

    Zum Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GDL)

    […]

    Bitte den gesunden Menschenverstand einschalten: Warum sollten mehrere Tausend GDL-Mitglieder scharf darauf sein, „einfach so“ zu streiken – um des Streiks willen? Sie haben bei diesem Streik die Medien und viele Fahrgäste gegen sich. Sie erleiden in jedem Fall – auch bei dem nun erhöhten Streikgeld – deutliche Einkommensverluste. Es gibt am Arbeitsplatz nervenaufreibende Gespräche mit Kollegen, die anderer Meinung sind. Das Verhältnis zum Vorgesetzten oder zum Arbeitgeber verhärtet sich. Teilweise, so bei befristeten Arbeitsplätzen, droht bei einer Unterstützung für den Streik der Arbeitgeber mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist schlicht unsinnig zu glauben, dass Tausende Gewerkschafter diese negativen Reaktionen auf sich nehmen – einfach so. Ihre Gründe, so zu handeln, müssen vielmehr höchst handfeste sein. […]

    (Streikzeitung; Via)

    So einfach ist das. Und so einfach ich es finde, auf dieser Basis mit dem Nachdenken zu beginnen, so hilflos staune ich über all jene, die nicht einmal ansatzweise Verständnis für die Lage von Menschen aufbringen, die mit ihnen gewissermaßen auf der gleichen Stufe der Leiter stehen. Statt dessen ist es offenbar Mehrheitsmeinung (oder zumindest hoffähig), den Ansichten jener hinterher zu plappern, die einen im alltäglichen Leben von oben her zuscheißen.

    Diese Scheiße-Metaphern, in Bild und Sprache – generell diese schwarz-weiß-Zuspitzungen in Agitprop-Manier –, sind meine Sache nicht. Spätestens hier, wenn es um den Kampf um Grundrechte im Widerschein angeblich längst überwundener Klassengegensätze geht, macht es aber wohl schon Sinn, eindeutig Position zu beziehen.

    13.5.2015

    Google: „Beheben Sie Probleme der mobilen Nutzerfreundlichkeit”

    Google ist seit dem 21.4.2015 „mobile-friendly” – was auch immer das heißt.

    Seit einigen Wochen bekomme ich Aufforderungen von Google (via deren Webmaster-Tools, bei denen ich mich angemeldet habe), daß meine Seiten nicht den Anforderungen an mobile Websites erfüllen. Google liegt da gar nicht falsch: mich hat es bislang nicht großartig interessiert, ob man meine Texte in der S-Bahn auf einem Smartphone ordentlich lesen kann, oder nicht.

    Seit einigen Tagen kann ich beobachten, wie die Anzahl der Zugriffe auf meine Seiten via Google deutlich zurückgeht – es gibt keine(!) Zugriffe mehr via Mobile (soweit ich das mit meinen – sehr eingeschränkten – Tools nachvollziehen kann).

    Das war absehbar, und es hat mich bislang nicht sonderlich erschreckt (die Reichweite, die meine Website hat, interessiert mich natürlich schon, wobei ich mich da keinen Illusionen hingebe).

    Erschrecken sollte es all jene, die ihre Mobiles (aka Handys) für Suchanfragen benutzen, in der Erwartung von inhaltlich relevanten Ergebnissen. Google Inc., Mountain View CA, ist – endgültig – nicht mehr für Relevanz von Inhalten zuständig. Statt dessen zählt eine bestimmte Auffassung dessen, was Inhalte zugänglich macht. In diesem Fall geht es um die Größe von Schriften (bzw. eine Reihe von damit verbundenen Themen, die sich um die Benutzbarkeit von Touch-Devices drehen) – Technik halt.

    Man macht sich dort zum Richter über Relevanz von Inhalten im Blick auf das, was die Technik an Schnittstellen hergibt. Ich will nicht darauf herumreiten: aber das kommt heraus, wenn Gesellschaften zulassen, daß die Ideologie zweier Stanford-Studenten das Wissen der Welt bestimmt.

    7.4.2015

    John Oliver: Interview mit Edward Snowden

    (Via SZ)

    Ich dachte beim ersten Hinsehen, das sei auch nur ein Fake. Offenbar ist ausgerechnet dieses Video echt.

    26.3.2015

    Das Jabberwocky-Prinzip (Better off Ted - Jabberwocky Project)

    Portia: It's going great.

    Ted: How great it would if we come up with a product.

    Portia: Products are for people who don't presentations.

    „Products are for people who don't presentations.” Das ist eine sprachlich-geniale Beschreibung des Jabberwocky-Prinzips. Dabei kann man mit „Jabberwocky” (kein schlechter Schlachtruf, btw) wohl recht genau beschreiben, mit was es das Management (nicht nur im exportorientierten Mittelstand) im Alltag so zu tun hat.


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