22.2.2009

Cubase 5 - VST-Expression (4)

(Themenanfang)

Hier sind die Regeln, nach denen der MIDI-Player die abgespielten Artikulationen mit jenen abgleicht, die in den Sound-Slots einer Expression-Map festgelegt sind, um schließlich einen bestimmten Slot zu aktivieren:

  • „Symbol” und „Sound-Slot” sind zwei strikt voneinander unterschiedene Ebenen: es gibt jeweils genau einen aktiven Slot, der jedoch von bis zu vier verschiedenen Symbolen „scharf geschaltet” wird.
  • Es kann jeweils nur genau eine Artikulation derselben Ebene aktiv sein. Da es genau vier Ebenen gibt, gibt es auch maximal vier gleichzeitige Artikulationen.
  • „Directions” bleiben solange gültig, bis eine andere Artikulation auf derselben Ebene folgt (und zwar unabhängig von ihrem Typ); „Attribute” hingegen sind nur für die Note gültig, für die sie gesetzt sind. Dabei sind Directions frei im Datenstrom beweglich, Attribute hingegen fest mit einer Note verlinkt.
  • Der MIDI-Player führt eine Liste aller derzeit gültigen Artikulationen, und vergleicht diese mit der Liste der Artikulationen für jeden Sound-Slot in der aktiven Map. Dabei vergleicht er als erstes die Artikulationen der ersten Ebene, dann die der zweiten, usf. Wenn keine Übereinstimmung mehr vorliegt, bricht er den Vergleich ab, und macht beim nächsten Slot weiter. Der Slot, der die größte Übereinstimmung aufweist, wird schließlich aktiv geschaltet.
  • Die vier Ebenen werden unterschiedlich gewichtet: eine Übereinstimmung der ersten Ebene ergibt 8 Punkte, die der zweiten 4, der dritten 2, und der vierten schließlich einen Punkt. Das bedeutet, daß eine Übereinstimmung auf der ersten Ebene mehr Bedeutung hat, als die auf allen anderen zusammen.

Das klingt im ersten Moment ziemlich kompliziert, und das bleibt auch so beim zweiten oder dritten Blick. - In der Praxis relativiert sich das aber, sobald man auf der ersten Ebene die wichtigen „Umschalter” einbaut - also etwa „pizzicato” und „arco” bei den Streichern, „mute” und „unmute” bei den Bläsern - und auf den anderen Ebenen lediglich deren Variationen - also Lautstärken (Akzente), Längen (Staccato, Legato), oder Ornamente (Triller, Growl).

Man sollte mit den der Cubase-5-DVD beiliegenden Beipielsmaps ein wenig herumzuspielen, und sich - auch als User des Score-Editors - die Sache mal im Key-Editor ansehen. Dort wird wohl verständlich, wie sich die unterschiedlichen Symbole zur Auswahl eines Slot „konsolidieren” - danach dürften die oben aufgeschriebenen Regeln vielleicht ein wenig verständlicher werden.

Ich habe noch ein paar ungeordnete Anmerkungen zu Punkten, zu denen bereits Fragen aufgetaucht sind:

  • Wenn man den Typ von Artikulationen von „Direction” auf „Attribut” oder vice versa ändert, bedeutet dies, daß bereits vorhandene Artikulationen ihre Funktion verlieren. Das Verändern des Typs im Setup-Dialog verändert nicht gleichzeitig jenen von bereits existierenden Daten.
  • Hingegen ist es möglich, den Output eines Slots nachträglich zu editieren. Wenn man eine Expression-Map für eine andere Sample-Library weiter verwenden will, muß man lediglich die beim Scharfschalten eines Sound-Slots gesendeten Befehle unter dem „Output-Mapping” anpassen.
  • Alle Artikulationen, wie sie von VST-Expression genutzt werden, sind schlicht Text-Events (Directions) bzw. „Note-Linked”-Events (Attribute), wie sie schon seit jeher im Score-Editor verwendet werden. Man kann also auch im Nachhinein eine Expression-Map erstellen, die diese Symbole gewissermaßen „umdeutet” (aber spätestens an dieser Stelle wird es wirklich kompliziert).
  • Es gibt einen „Default-Slot”, mit dem der Player initialisiert wird, und dies ist immer der erste Slot in der Expression-Map. Wenn man die Slot-Zuweisungen via Remotekeys mit dem externen Keyboard vornimmt (z.B. bei der Aufnahme), muß der erste Slot einer Taste zugeordnet werden, sofern man gleichzeitig „Latch-Mode” aktiviert hat. Das ist eigentlich selbstverständlich, sorgt aber für Verwirrung, weil normalerweise „Latch-Mode” ausgeschaltet ist - in diesem Fall wird der erste Slot eingeschaltet, wenn man keine Taste gedrückt hält. - Für Flexibilität bezahlt man leider den Preis, daß man sich in ihr gelegentlich verläuft.
  • Das MIDI-Thru ist komplett entkoppelt von der Ausgabe des MIDI-Players. Das muß man sich kurz klar machen, wenn man nach dem Positionieren an eine bestimmte Stelle nicht den Sound durchgereicht bekommt, der dort für den Player gilt. Das ist nicht wenig verwirrend - ich gebe zu, daß das Design hier nicht sonderlich glücklich gewählt ist.

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