11.6.2008

Netzwerkprodukte (16)

(Themenanfang)

Google ist heute natürlich mehr als nur als jene spartanische Suchmaske, mit der alles anfing - ein ganzer Zoo versammelt heute zahllose Webanwendungen unter diesem Label, einige davon von ebenso beeindruckender Tiefe und Komplexität (Google-Earth), wie jene Ungetüme des Microsoft-Jahrzehnts (Word, Photoshop, etc.). Dennoch stehen hier weniger die Applikationen im Mittelpunkt, als vielmehr die diesen angelagerten Dienste.

In erster Linie dreht es sich bei diesen Diensten um die Bereitstellung von Platz für Werbung. Google hat es als Erster und nahezu Einziger geschafft, der Werbeindustrie im Internet eine Plattform zu geben. Als alle Versuche mit Bannerwerbung und Popupupwindows gescheitert waren, erschien die Idee, die Suche nach bestimmten Wörtern mit Werbung zu verknüpfen, die mit jenen Wörtern in Zusammenhang steht, wie ein Wunder vom Himmel. Mir scheint dies das Grundkonzept von Googles Geschäftsmodell zu sein, das auch in den anderen Produkten zumindest vorbereitet ist: biete den Usern eine nicht zu schlagende Dienstleistung - und baue darin dann Werbung so ein, daß sie nicht stört, möglichst sogar als hilfreich empfunden wird.

Ohne ein Experte in den Googlewissenschaften [1] zu sein, sehe ich einen Schwenk weg vom Geldverdienen durch den Verkauf von Produkten, hin zu dem durch das Angebot von Diensten. Die in diesem Prozeß benötigte Software nimmt immer mehr jenen Charakter an, der ihr eigentlich immer schon zustand: sie wird zu frei verfügbarer Information [2].

Man könnte jetzt jubeln und zum Schluß kommen, daß endlich die Menschen wieder im Zentrum stünden, denen man einen Service bieten muß, um noch Geld verdienen zu können, und daß endlich Schluß sei mit der Vormacht der ihrer eigenen Logik folgenden Entwicklung von abstrakter Technik. Ich habe eher den Eindruck, daß das Gegenteil passiert: man macht Kasse, indem man ausgenudelte Technologie [3] ins Spiel bringt unter dem Vorwand, sie erstmals für eine breite Masse wirklich nutzbar zu machen. Dahinter versteckt sich letztlich ein Mechanismus, der behauptet, die Masse sei zu dumm, um auch bloß begrenzte Komplexität zu begreifen - um dann die Dinge in einem Maß zu simplifizieren, bis sie bloß noch falsch sind.

  1. [1] Derer gibt es zahlreiche, inklusive ihrer wichtigsten Disziplin namens SEO, auf die noch zurückzukommen wäre.

  2. [2] Bzw. zu einem Tool, mit dem sich Informationen bereitstellen lassen - die Grenzen sind hier fließend, weil Bilder und Texte in exakt demselben Form vorliegen, wie Software: als Bits und Bytes.

  3. [3] MapReduce ist der Name für jenen Algorithmus, den Google benutzt, um gigantische Datenmengen mit der Parallelisierung ebenso gigantischer Computerressourcen zu durchforsten. Erstaunlicherweise gibt es seit dreißig Jahren Besseres.

Nachtrag: Es bietet sich an, an dieser Stelle einen Exkurs über die Datenkraken einzuschieben.

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