8.10.2014

Thea Hjelmeland

Perfume

Das Pattern zu Beginn ist im 5/8tel-Takt, oder? Irgendwo ist da ein Achtel zuviel, oder sind das eher 4-1/2 Achtel? – ist es nicht; doch ein 2/4-Takt in einer irritierenden Betonung der Noten auf dem letzten Achtel in der Phrase? – man kann den Puls jedenfalls nicht (allenfalls stellenweise) mitklopfen.

Wobei: das ist total egal. Ich erwähne das nur, um dem Verdacht zu entkräften, dies sei ein belangloses Getändel (wenn man sich denn der Magie des Songs überhaupt entziehen kann).

It's Too Late

Der Song im Video oben ist rhythmisch eher einfach gestrickt, wobei die Klangfarben des Orchesters außerordentlich kunstvoll gemischt sind – etwas völlig anderes als „Perfume”, und trotzdem, beim Hören, irgendwie und -wo mit dessen Konzeption verwandt.

Ich bekomme das, analytisch, nicht recht auf den Punkt (was, wie oben schon erwähnt, sowieso total egal ist).


Thea Hjelmeland spielt morgen Abend im Nachtasyl – ich bin werde dort sein; sehr gespannt.


Nachtrag: Das Konzert liegt hinter mir, und ich habe gerade die CD auf dem Kopfhörer, die ich noch im "Nachtasyl" kaufte.

Das Album („Solar Plexus” - Amazon-Link) ist richtig spannend, und spielt in einer ganz eigenen Liga (die verlinkten Videos oben geben einen recht guten ersten Eindruck, in welche Richtung das geht). Wenn man es nur einen Tag nach dem Konzert hört – wenn man die Songs noch in ihrer „Live”-Inkarnation in Erinnerung hat – wirkt es seltsam enttäuschend. Hjelmeland ist auf der Bühne derart präsent, daß (im unmittelbaren Vergleich mit einem reproduzierbaren Kunstwerk, wie der CD) das gar nicht anders sein kann.

Selbst nur der Versuch zu beschreiben, was mich da gestern geradezu umgehauen hat, macht wenig Sinn. Man muß Hjelmeland live erleben, um meine Sprachlosigkeit nachzuvollziehen (und wohl auch das Glück haben, Teil eines höchst konzentriert zuhörenden Publikums zu sein, wie das im Nachtasyl der Fall war).


Vielleicht habe ich doch zumindest eine Annäherung:

Thea Hjelmeland
(Foto: Havana World)

Der letzte Song auf dem Album wie beim Konzert ist „Cold Hands“, eine Totenklage („Cold hands, watch me pray / God disappears as you fade“). Die musikalischen Mittel legen nicht unbedingt nahe, wovon der Text handelt; allenfalls die nun bis ins Letzte zugespitzte Sparsamkeit der Mittel (genau nur ein Riff von der Gitarre; eine ständig wiederholte Phrase im Gesang) gibt einen Hinweis.

Bei der Studioaufnahme ist der Kontrast (zum Rest der Songs) fast glattgebügelt: das Tempo ist gleichförmig und wie am Marschieren; die Stimme wird mit einem Effekt gedoppelt und kommt gewissermaßen überlaut von rechts und links aus den Lautsprechern.

Anders Live. Jene Intensität – von Rhythmik, Stimme –, die es mir vorher selbst in den leisesten Passagen fast unmöglich gemacht hatte, auf meinem Platz still sitzen zu bleiben, wirkt wie weggefegt. Die Gitarre wird zum Leierkasten, und die Stimme kommt aus der mittleren Lage ihres tiefen Registers nicht heraus – man kann kaum anders, als auf den Text zu achten. Dazu braucht es keine besonderen Ausdrucksmittel im Gesang, und keiner Schauspielerei. Es wird unvermittelt klar, worum es hier geht.


Nachtrag 2: Die beiden oben verlinkten Songs in einer Live-Version, Thea Hjelmeland Solo:

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