4.12.2012

Cubase 7 - Chord Track: Voicings (1)

(Thema)

Wenn man Akkordsymbole „abspielen“ will, lautet die Frage: wie funktioniert der „Übersetzter“ der Symbole in konkrete Noten? Diese Frage klingt auf den ersten Blick trivial, ist es aber nicht (zumindest aus der Sicht der Software; bzw. des Entwicklers, der sie schreibt).

Akkordsymbole sind eher abstrakte Anweisungen, was man da zu spielen hat – noch abstrakter sogar als der Generalbaß in der Barockmusik. Ein C-Dur-Symbol etwa beschreibt Grundton, große Terz und (reine) Quinte; nicht aber, in welcher Lage oder in welcher Reihenfolge die Töne klingen sollen.

Zum einen hängt es vom konkreten Instrument ab, wie sie umgesetzt werden. Eine Gitarre etwa verteilt die Töne komplett anders, als das auf einem Klavier geschieht. Wo selbst ein eher durchschnittlicher Klavierspieler Umkehrungen gewissermaßen aus dem Ärmel schüttelt, ist ein Gitarrist mit einem unübersichtlichen Verhau an Saiten und Bünden beschäftigt, wo solche Variationen eines Akkordes nur einem echten Könner auf dem Instrument zur Verfügung stehen. Normalerweise verfügt ein Gitarrist über eine eher begrenzte Auswahl an Griffmustern – im Unterschied zum Pianisten, der die Töne auf seiner Tastatur, in fast abstrakter Form, vor sich sieht.

Mehr noch: auch die Fähigkeit eines Instrumentalisten, sich in einer bestimmten Stilistik zurecht zu finden, bestimmt darüber, wie er „Voicings“ über Akkordsymbole bildet. Einen C7-Akkord wird man zB. im Blues – auf demselben Instrument – völlig anders spielen (dh., in konkrete Töne „übersetzten“), als im Jazz. Jemand, der die Akkorde eines Jazz-Standards im Stil der 30er zum Klingen bringt, wird einen C7 eher simpel, als Vierklang inklusive der Quinte, spielen. Im Modern Jazz wird man kaum einen Pianisten (oder Gitarristen) finden, der die Quinte (wenn überhaupt) ohne Alteration spielt – statt dessen werden „upper tensions“ hinzugefügt, obwohl das im zugrunde liegenden Akkordsymbol nicht einmal angedeutet ist.

In Cubase 7 gibt es eine Instanz, die „Chords“ (Akkordsymbole) in „Voicings“ (konkrete Noten) übersetzt. Dabei ist das kein Algorithmus, der fest verdrahtet nur das produziert, was die Programmierer über Voicings „wußten“, sondern ein Layer, auf das auch die Benutzer einigen Einfluß haben.

(Wird fortgesetzt)

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