5.3.2011

Twilight

(Buffy: Zettelkasten)

Ich habe gerade den ersten Film aus der „Twilight“-Reihe gesehen, ohne große Erwartung, nur um beim Thema mitreden zu können. Mir ist jetzt klar, warum Kritiker, die auch „Buffy“ auf dem Zettel haben, hier regelmäßig Reaktionen zwischen müde lächelnd bis höhnisch auflachend produzieren.

Dafür ist in allererster Linie ein Script verantwortlich, das nicht einen einzigen Dialog enthält, der bei mir etwas anderes auslöst, als ein großes Gähnen. Da werden Banalitäten ausgetauscht, die die Charaktere nicht einen Millimeter plausibler machen; dies wird allein dem Spiel der – allenfalls mittelmäßigen[1] – Darstellern überlassen. Weit wichtiger: die Autoren haben offenbar nicht einmal die Basislektion ihrer Profession gelernt: „Don‘t tell, show“. Sonst würde Bella nicht gleich am Anfang aus dem Off erklären, wie zB. ihr Vater drauf ist – man hätte sich ja sonst die Mühe machen müssen, einen Dialog zwischen den beiden Figuren zu schreiben, in dem sich ihre Beziehung zeigt. Aber auch vieles andere wird nur behauptet, nicht aber im Rahmen einer Handlung dargestellt: die Aufzählung der Vampir-Eigenschaften; die Liste der Dinge, die Bella über Edward zu wissen glaubt; nicht zuletzt die bloße Behauptung, daß sie ihn liebt.

Nichts gegen die Konstruktion der Vampir-Saga. Die Vampire hier haben einen anderen Hintergrund als bei Buffy; trotzdem könnten sie durchaus die gefährlichen und beängstigenden Monster sein, die mit Figuren wie Angelus oder Spike mithalten. Es gibt tatsächlich eine Szene (der Zweikampf zwischen Edward und James in der Ballettschule), die zeigt, in welchem Ausmaß die Twilight-Vampire zu physischer Gewalt fähig sind. Dann gibt es noch eine Sequenz, in der sehr deutlich wird, wie diese im Dunklen gegründeten übermenschlichen Kräfte von großer Schönheit sind, und überaus anziehend wirken können: das ist der „Ausflug“, den Edward mit Bella in die Spitzen der Bäume unternimmt, von wo aus sie die überwältigende Wildheit der Landschaft Washingtons überblicken (überhaupt trösten die Landschaftsaufnahmen über den Totalausfall des Scripts ein wenig hinweg).

Sie könnten Monster sein, sind es aber nicht – das wird stets nur behauptet, nicht aber gezeigt. Sicher – da gibt es ein Trio, das wirklich Menschen frißt, und das schließlich Jagd auf Bella macht. An keiner Stelle wird aber begründet, warum sich die eine Gruppe wie wilde Tiere verhält, die andere aber ihre Triebe in Zaum hält und auf menschliches Blut verzichtet. Da existiert ein Konflikt, der aber einfach in den Raum gestellt wird, und dessen Begründung das Publikum allenfalls selber fabrizieren kann. Die Vampire sind hier eben keine Monster, sondern durch Zufall in „eher Mensch“ oder „eher Tier“ kategorisiert, wobei sie sich offenbar auch noch frei entscheiden können, zu welcher Partei sie gehören.

  1. [1] Eine gewisse Ausnahme würde ich für Robert Pattinson (Edward) machen.


[Nachtrag:] In einer Reaktion auf diesen Beitrag wurde darauf hingewiesen, daß es ja noch weitere Filme aus dieser Serie gäbe, die viele meiner Fragen dann beantworteten. Das mag sein; das ist aber nicht mein Punkt.

In jedem Drama gibt es mindestens eine Figur, die den Zuschauer mit der Fiktion verbindet – eine Figur, die seinem Alltag so nahe steht, daß er sie automatisch versteht, oder die derart gut eingeführt und mit Hintergrund versehen ist, daß sie für ihn glaubhaft und nachvollziehbar wird. Die fiktionale Welt selber mag überaus rätselhaft und komplett unergründlich sein – irgend ein Charakter muß den „Guidance“ für den Zuschauer spielen.

Bei Buffy ist das – in der ersten Season – Buffy selber, die ihre Funktion als „Slayer“ erst lernen muß. Man kann sich mit ihr leicht identifizieren, weil sie – abgesehen von ihren Superpowers – einfach bloß ein Highschool-Girl ist, mit Sorgen um ihre äußere Erscheinung, vielleicht noch darum, was die Mutter von ihren Schulnoten hält. Bei ihrer ersten Begegnung mit Angel hat sie keine Ahnung, daß er ein Vampir ist – der Zuschauer weiß davon, bevor sie das selbst erfährt. Als sie es jedoch herausbekommt, ist ihr erster, ihrem Charakter komplett entsprechender Impuls, Angel zu töten.

Erst als sie lernt, daß Angel verflucht ist und eine Seele hat, ändert sich das. Ihre Verliebtheit macht sie keineswegs blind dafür, daß sie einem Vampir nicht einfach vertrauen darf – die Konstruktion des „Vampirs mit einer Seele“ macht es nachvollziehbar, warum sie dies (trotz Unglauben und Widerstand seitens ihrer Freunde) dennoch tut.

Bei Twilight wäre die Identifikationsfigur Bella. Ihre Faszination und Verliebtheit in den geheimnisvollen, überaus schönen Edward: geschenkt, das muß man niemandem erklären. Es ist aber kompletter Unfug, daß sich aus solch einer Verliebtheit sofortiges und unbedingtes Vertrauen in jemanden ergibt, der komplett unmenschlich ist, und sich selbst als Monster beschreibt. Es gibt absolut keine Erklärung dafür – es sei denn, man ist der Meinung, daß die Hormone weiblicher Teenager per definitionem komplett außer Kontrolle sind.

Wäre ich Dante - diesem Vergil würde ich mich keine Minute anvertrauen.

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