30.9.2009

Freiheit & Not (3)

(Themenanfang)

Ich möchte einige Geschichten erzählen, von denen ich vermute, daß sie deutlich machen, wie das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Gerechtigkeit bzw. Freiheit und Notwendigkeit konkret aussieht.

Stargate Atlantis - Wraith

Den Anfang mache ich mit einen kurzen Ausflug um die Ecke – die erste Erzählung spielt in der benachbarten Pegasus-Galaxis. Dort herrschen äußerst übellaunige Gesellen, die Wraith – fast schon menschenähnliche Kreaturen mit weißen Haaren, unappetitlichen Resten zwischen den Zähnen, und einem leicht befremdlichen Blick. Trotz ihrer schlechten Laune sind sie der menschlichen Rasse keinesfalls feindlich gesonnen – im Gegenteil: sie züchten Menschen auf eigens dafür reservierten Planeten, um sich von ihnen zu ernähren. Dabei wird das Futter überaus ästhetisch verzehrt – die Wraith schlachten die Menschen nicht blutig ab, sondern saugen ihnen durch bloßes Handauflegen auf direktem Weg das Leben aus. Am Endergebnis ändert das dem Schlachten gegenüber allerdings wenig: ein ausgesaugter Mensch wird schlagartig immer älter, bevor er an Altersschwäche stirbt.

Ursprünglich gibt es in der Pegasus-Galaxis nur zurückgebliebene, bäuerliche Kulturen, die, sobald sie für den Geschmack der Wraith zu weit voranschreiten und sich etwa gegen die Zumutung, bloß Futter zu sein, zu wehren beginnen, umgehend ausgelöscht werden. Das ändert sich, als das Stargate-Command der Erde eine Expedition in diesen entlegenen Winkel des Universums entsendet – plötzlich haben es die Wraith mit einem ernst zu nehmenden Gegner zu tun. Die Erdlinge haben zwar keineswegs einen leichten Kampf zu führen und stehen mehrfach dicht vor dem Untergang. Eine echte Wende zu ihren Gunsten findet jedoch statt, als sich herausstellt, daß die Wraith letztlich auch bloß Menschen sind, deren DNA von einem geheimnisvollen Symbioten verändert wurde.

Die erste Geschichte, in der diese Entdeckung eine Rolle spielt, dreht sich um ein junges Wraith-Mädchen, das – nach dem Absturz eines Raumschiffs, bei dem die restliche Besatzung starb – schon als Baby von einem Menschen gefunden und wie eine Tochter großgezogen wird. Anfangs geht das gut, weil das Kind sich mit normaler Nahrung zufrieden gibt, und auch ohne Weiteres die moralischen Werte des Adoptivvater übernimmt. Später, in der Pubertät, ändert sich das aber grundlegend: jetzt ist es nicht mehr damit getan, Nahrung durch den Mund in den Magen zu transportieren – das Mädchen wird immer mehr zum Wraith, und kann nur überleben, wenn es an der Kraft menschlichen Lebens saugt. Zunächst reicht es, wenn der Vater sich hergibt und gelegentlich ein paar Jahre seines eigenen Lebens der Adoptivtochter opfert. Irgendwann ist auch das nicht mehr genug – man findet in der Umgebung des Dorfs, in dem Vater und Tochter leben, regelmäßig Leichen, deren Zustand unmißverständlich klar stellt, daß nur ein Wraith für sie verantwortlich sein kann. Die Jagd beginnt.

Die Pointe ist hier, daß das Mädchen an der eigenen Natur unendlich leidet. Sie will niemanden verletzen, und sie empfindet ihr Verlangen nach menschlichem Futter zutiefst verwerflich, derart abartig sogar, daß sie an sich selbst ein verzweifeltes Experiment versucht. – Als Stargate-Command ihren Planeten besucht, ist man dort nicht weiter verwundert, einen gezähmten Wraith vorzufinden – man kennt längst deren menschliche Wurzeln und arbeitet an einem Serum, das die Veränderungen in der DNA rückgängig macht. Das Mädchen findet eine Ampulle mit diesem Serum und injiziert es sich selber, in der Hoffnung, der eigenen Natur zu entkommen und endlich zum Mensch zu werden. Der Versuch endet tödlich. Das Serum ist ja nur ein Experiment – es wirkt in genau die falsche Richtung, und verwandelt sie nicht in einen Menschen, sondern in ein Monstrum, das den anderen, gänzlich unmenschlichen Pol der Natur der Wraith markiert.

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