31.3.2008

Netzwerkprodukte (6)

(Themenanfang)

Nachdem die Protagonisten vorgestellt wurden, stellt sich die Frage, inwieweit man sie Gruppen zuordnen kann; mit anderen Worten: die Spielfiguren sind bekannt - kann man die weißen von den schwarzen Figuren unterscheiden?

Zunächst sind es natürlich die Unterschiede ihrer Einbindung in die kapitalistische Wirtschaft, die ins Auge fallen: hier die auf Profit ausgerichtete Hard- und Softwareindustrie, dort kostenlose Software und ohne Gewinnabsicht produzierter Content der User. Es wäre relativ einfach, sich auf die Seite letzterer Gruppe zu schlagen, und hier nicht nur eine moralische, sondern auch eine inhaltliche Überlegenheit zu sehen: wenn Software ohne das Ziel ökonomischer Verwertbarkeit entwickelt wird, liegt es nahe, daß diejenigen, die sich auf die Sache selber konzentrieren, bessere und vor allem bugfreie, ausgereifte Ergebnisse vorlegen.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch so. Linux hat einen hervorragenden Ruf, was Stabilität angeht - nicht umsonst findet man es so häufig auf Servern, die ohne zuverlässig laufendes Betriebssystem schlicht unbrauchbar sind. Umgekehrt habe ich irgendwann staunend vor einem Geldautomaten der Hamburger Stadtsparkasse gestanden und dabei zugesehen, wie Window NT nach einem Absturz neu gebootet wurde (es ist wirklich wahr: Windows NT von 1995 steuert dort die Geldautomaten). Es wäre also ein Leichtes, in altbekannte Kerben zu hauen und Linux gegen Windows, freie gegen kapitalistische Software, bloggende User gegen profitorientierte Printmedien zu setzen.

So einfach ist es aber dann doch nicht (und das ist der Grund, warum ich diesen Baukasten überhaupt gestartet habe). Freie Software ist nicht per se besser, und feste Angestellte in den Companies sind nicht zwangsläufig Schlampen, die an ihrem Gehaltscheck, nicht jedoch an vernünftigen Programmen interessiert sind. Ebenso wenig sind Blogger die besseren Journalisten, ebenso wenig - was imho eine bemerkenswerte Pointe ist - sind Microsoft und Google quasi dasselbe, weil ja beide börsennotierte Unternehmen sind, amerikanische zumal, die es mit den Quartalszahlen besonders eng sehen.

Ich bin der Meinung, daß es um mehrere dialektisch verzahnte Ebenen zu tun ist - und die will ich in der Folge beschreiben und untersuchen.

(Bislang habe ich letztlich nur Trivia berichtet. Wenn es Widerspruch geben sollte, würde ich darauf mit verbesserten Formulierungen antworten (das soll heißen: ich bin mir verhältnismäßig sicher, daß ich bislang keinen totalen Schwachsinn erzählt habe). Ab jetzt bewege ich mich auf schwankendem Grund. Allen Positionen, die ich von hier an formuliere, kann es passieren, daß ich sie später wieder verwerfe.)

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